Ulysses von James Joyce — Gratis-Zusammenfassung (2023)

Dublin, am 16. Juni 1904

Acht Uhr morgens: Stephen Dedalus, der kürzlich sein Medizinstudium in Paris abgebrochen hat, der Medizinstudent Buck Mulligan und der Oxfordstudent Haines frühstücken in ihrer gemeinsamen Bleibe. Dabei handelt es sich um den Martello Tower, einen alten Befestigungsturm am Strand von Dublin. Stephen ist in schlechter Stimmung: Seine Mutter ist gestorben und Buck Mulligan zieht ihn fortwährend damit auf, dass er, als trotziger Atheist, ihr am Sterbebett ein Gebet verweigert hat. In seiner Frechheit wagt Buck es sogar, Stephens Mutter als "dreckig verreckt" zu bezeichnen. Auch sonst nimmt sich Buck gegenüber Stephen allerhand heraus: Er verhöhnt dessen künstlerische Ader und spottet, dass Stephen sich angeblich nur einmal im Jahr badet. Nach dem Frühstück verlassen sie den Turm: Buck begibt sich zum Strand, wo er baden will, nicht bevor er jedoch Stephen den Schlüssel für den Turm und obendrein noch zwei Pence abgeluchst hat. Haines will in die Nationalbibliothek und Stephen macht sich auf den Weg zum College, wobei er das Totengebet seiner Mutter nicht aus seinen Gedanken verbannen kann.

In der Schule und am Strand

Zehn Uhr: Geistig abwesend und gelangweilt erteilt Stephen einer Klasse von Schülern Geschichtsunterricht am College. Doch die Schüler interessieren sich ganz offenkundig nicht für das Thema, lesen sogar unverblümt ihre Antworten aus Büchern ab. Stephen hat keine Lust mehr, für diese undankbare Bande dazustehen: Stattdessen schwelgt er in Erinnerungen an seine Studienzeit in Paris. Beim Glockenschlag strömt die Meute hinaus. Danach betritt Stephen das Arbeitszimmer von Mr. Deasy, dem Direktor. Dieser zahlt ihm seinen mickrigen Lohn aus und weist ihn an, einen Brief bei einer Zeitung abzugeben, zu der Stephen gute Beziehungen unterhält. Darin geht es um eine neue Behandlungsmethode der Maul- und Klauenseuche. Außerdem gibt ihm Mr. Deasy den Ratschlag, sein Geld zusammenzuhalten und sich vor den Juden zu hüten, die das Land aussaugen würden. Einsam und in Selbstgespräche vertieft wandert Stephen anschließend zum Strand. In seinen Gedanken hangelt er sich von einer Erinnerung zur nächsten: an seine Kindheit, an die Zeit in Paris ...

Guten Morgen, Mr. Bloom

Szenenwechsel: Auch beim Anzeigenverkäufer Leopold Bloom, einem Iren ungarisch-jüdischer Herkunft, beginnt dieser Tag um acht Uhr. Bloom ist eifrig bemüht, seiner Frau Molly ihr Frühstück exakt so zuzubereiten, wie sie es gern hat. Nachdem er auch der Katze ihre Milch gegeben hat, macht sich Bloom kurz auf den Weg zum Schlachter, um dort eine Niere für sein Frühstück zu erwerben. Bloom liebt Innereien über alles. Zurück in der Wohnung setzt er die Nierchen aufs Feuer und bringt seiner Frau, die Sängerin ist, das Frühstück ans Bett, zusammen mit einem Brief von Blazes Boylan, ihrem Manager und Liebhaber, wie Bloom längst weiß. Der Geruch der verbrannten Niere lässt ihn zurück in die Küche eilen. Selbstvergessen schlingt er sein Frühstück hinunter und liest einen Brief von seiner Tochter Milly. Beim Glockenschlag der Turmuhr fällt ihm ein, dass er heute auf eine Beerdigung muss. Gegen zehn Uhr verlässt er das Haus und begibt sich auf seine Odyssee durch die Straßen von Dublin. Vorbei an hungernden Kindern, ärmlichen Hütten und exotisch anmutenden Teegeschäften geht er zur Post. Hier lässt er sich den Inhalt eines Postfaches bringen, das er unter dem Pseudonym "Henry Flower" eingerichtet hat. Es ist ein Brief von Martha Clifford dabei, mit der er eine heimliche Brieffreundschaft führt.

Friedhof, Zeitungsbüro und ein schwieriger Kunde

In einem Wagen fahren Bloom und seine Bekannten Mr. Cunningham, Mr. Powers und Simon Dedalus, Stephens Vater, in gemäßigtem Tempo hinter dem Sarg von Paddy Dignam her, der um elf Uhr auf dem Friedhof beerdigt werden soll. Auf dem Weg lässt Bloom seinen Blick schweifen: Das Gaswerk, die Oper, die Straßen erinnern ihn an Geschichten aus seiner Vergangenheit. Die Herren bedauern den armen Paddy, der sich anscheinend totgesoffen hat. Dann fährt eine Kutsche mit einem Kindersarg vorbei und das Gespräch kommt auf das Thema Selbstmord. Mr. Powers und Simon Dedalus verurteilen diesen aufs Schärfste. Nur Cunningham wiegelt ab, wohl wissend, dass sich Blooms Vater einst das Leben genommen hat.

„Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppenaustritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen.“ (S. 7)

Nach der Beerdigung geht Bloom in die Zeitungsredaktion, um dort eine Anzeige für einen seiner Kunden aufzugeben und einige Änderungen an der grafischen Gestaltung zu besprechen. Der Manager ist damit einverstanden, sofern der Kunde seine Anzeige auf drei Monate verlängert. Missmutig verabschiedet sich Bloom, um das zunächst mit dem Kunden abzusprechen. In der Zwischenzeit erscheint auch Stephen Dedalus bei der Zeitung, um dort den Maul-und-Klauenseuchen-Appell von Mr. Deasy aufzugeben - der für allgemeine Heiterkeit bei den Redakteuren sorgt. Bloom kommt mit dem Einverständnis des Kunden zurück: Es reicht aber nur für eine Laufzeit über zwei statt drei Monate. Der Chefredakteur ist daraufhin erbost, beschimpft Bloom und lässt ihn einfach stehen.

Lunch-Time

Bloom stapft weiter durch die Straßen von Dublin. Mrs. Breen verwickelt ihn in ein Gespräch, bei dem sie andeutet, dass die schwangere Mina Purefoy sich im Frauenhospital befindet und dort auf die Geburt wartet. Bloom versichert, dass er sie später einmal besuchen will. Sein Wunsch nach etwas Essbarem führt ihn zu Burtons Restaurant. Der Anblick der Männer, die sich hier ohne jede Manieren die Mäuler vollstopfen, erregt jedoch seinen Ekel: Nein, hier kann er unmöglich einen Bissen herunterbringen. Also begibt er sich zu Davie Byrne's Pub. Hier geht es erheblich ruhiger zu. Bloom bestellt sich ein Käsesandwich, einen Salat und Burgunder. Nosey Flynn spricht ihn an und die beiden unterhalten sich über Blooms Frau Molly, ihren Agenten Boylan und über Pferderennen. Nach dem Essen geht Bloom in Richtung Nationalbibliothek. Dort will er eine Anzeige aus einer alten Zeitung heraussuchen.

Die Wege kreuzen sich

Stephen Dedalus befindet sich in diesem Augenblick ebenfalls in der Bibliothek, wo er einer Schar von interessierten Zuhörern seine Theorien zu Shakespeares Hamlet unterbreitet. Die Zuhörer beklatschen und diskutieren Stephens Vortrag, bei dem er sich als eloquenter Kenner der Materie erweist. Die Debatte wird von einem Besucher unterbrochen, der die Hilfe des Bibliothekars benötigt. Es ist Leopold Bloom, der eine bestimmte Ausgabe der Kilkenny-Zeitung sucht, in der das Logo für seine Anzeige abgedruckt ist. Inzwischen ist auch Buck Mulligan zu der Runde um Stephen gestoßen: Er beschwert sich darüber, dass Stephen eine Verabredung im Pub nicht eingehalten hat. Wieder macht er sich über Dedalus lustig. Auf dem Weg aus der Bibliothek begegnen sie erneut Bloom, der sich zwischen ihnen hindurch zum Ausgang schiebt.

In der Bar vom Ormond

Ein bunter Reigen von Menschen wuselt durch die Straßen von Dublin. Darunter sind Stephens Schwestern, die versuchen ein paar Bücher zu verkaufen, um sich mit dem Geld Essen zu besorgen. Boylan kauft Geschenke für Molly: Die beiden haben an diesem Nachmittag noch ein Rendezvous. Danach begibt er sich in die Bar des Ormond Hotels, wo er mit den Bardamen flirtet. Auch Leopold Bloom hat es in das Hotel verschlagen, nachdem er sich Briefpapier für seinen Antwortbrief an Martha gekauft hat. Zusammen mit Ritchie Goulding, einem Freund, sitzt er an einem Tisch neben der Tür und beginnt den Brief. In der Bar erklingt Pianomusik, und Simon Dedalus, der sich unter den Gästen befindet, stimmt ein paar irische Volkslieder an. Boylan verlässt die Bar zwischenzeitlich und braust mit dem Wagen davon - offensichtlich zu Molly.

Der "Bürger" flippt aus

In Barney Kiernan's Pub hofft Bloom, Mr. Cunningham und Mr. Powers zu treffen, die mit ihm auf dem Begräbnis von Paddy Dignam gewesen sind. Gemeinsam wollen sie die Witwe des Verstorbenen besuchen und ihr dabei helfen, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Im Pub trifft er auf einen irischen Nationalisten, den alle nur den "Bürger" nennen und der sich lautstark über den Untergang der irischen Sprache und Kultur beschwert. In der Gesellschaft der irischen Männer im Pub macht Bloom eine schlechte Figur: Als Jude sieht er sich den Anfeindungen des "Bürgers" ausgesetzt, der ihn überhaupt nicht für einen richtigen Iren hält. Cunningham und Powers drängen Bloom zum raschen Aufbruch. Doch dieser will die wüsten Beschimpfungen des "Bürgers" nicht tatenlos auf sich sitzen lassen. Er zählt eine Reihe von wichtigen jüdischen Persönlichkeiten auf und schließt mit dem ironischen Fingerzeig: "Christus, euer Gott, war schließlich auch ein Jude." Da platzt dem "Bürger" der Kragen: Er wirft mit einer Dose nach Bloom, verfehlt ihn aber.

Stranderlebnisse

Von diesem unangenehmen Vorfall ein wenig benommen, flüchtet sich Bloom an den Strand. Es dämmert bereits. Er setzt sich mit etwas Abstand zu drei jungen Frauen, die mit zwei Kindern zum Strand gekommen sind, auf einen Stein. Eine der Frauen, Gerty McDowell, hat Bloom bemerkt, der in ihre Richtung sieht. Die beiden tauschen Blicke aus. Gerty bemerkt Blooms Interesse an ihr. Während ihre Freundinnen ein wenig den Stand entlanglaufen, um das soeben einsetzende Feuerwerk besser sehen zu können, bleibt Gerty zurück. Aus den Augenwinkeln kann sie erspähen, dass Bloom mit der Hand in der Hosentasche onaniert. Den Gedanken daran findet sie aufregend und setzt sich in Pose, sodass er ihre Beine, das Strumpfband und ihr Höschen möglichst gut in Augenschein nehmen kann.

Hospiz und Bordell

Bloom erinnert sich daran, dass er die schwangere Mina Purefoy im Krankenhaus besuchen wollte. Kaum dort angekommen, wird er von einigen Medizinstudenten aufgefordert, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen und zu trinken. Unter ihnen befindet sich auch Stephen Dedalus. Die studentische Gesellschaft wird alsbald von Buck Mulligan und einem weiteren Saufkumpan ergänzt. Spätestens mit Mulligans Ankunft wird das Gesprächsthema deftig und vulgär: Schnell beherrschen Themen wie Abtreibung, Masturbation und Geschlechtsverkehr das Gespräch. Bloom fühlt sich von der obszönen Gesellschaft angewidert. Lediglich für Stephen Dedalus hegt er freundschaftliche, fast schon väterliche Gefühle. Darum folgt er Stephen auch, als dieser sich mit seinem Freund Lynch auf den Weg ins Bordell macht.

„Merken Sie auf meine Worte, Mr. Dedalus, sagte er. England ist in den Händen der Juden. Und sie sind die Vorboten des Verfalls einer Nation.“ (S. 47)

Im Rotlichtmilieu verliert er jedoch Stephens Spur und beginnt zu halluzinieren: Zunächst erscheinen ihm seine toten Eltern. Schließlich sieht er sich vor einem imaginären Tribunal wegen seiner Lüsternheit angeklagt. In Bella Cohens Bordell angekommen kümmert er sich sogleich um den stark angeheiterten Stephen, um zu verhindern, dass man ihm das Geld aus der Tasche zieht. Beide Männer versinken in einem trunkenen Rausch aus perversen Halluzinationen. Blooms Vorliebe für sadistisch-masochistische Praktiken tritt hervor, als er von der Bordellchefin erniedrigt und gemaßregelt wird. Auch Stephen wird von grotesken Visionen gepeinigt: Seine tote Mutter erscheint ihm und klagt ihn wegen seiner Abkehr vom Katholizismus an. In blinder Wut zerschlägt Stephen den Kandelaber der Bordellchefin, die daraufhin sofort die Polizei ruft. Auf dem Weg aus der Bar rennen die beiden in zwei Soldaten hinein. Einer der beiden schlägt den hilflosen, immer noch wirres Zeug plappernden Stephen nieder. Bloom bringt ihn in Sicherheit und beschützt ihn, bis Stephen wieder erwacht.

Heimkehr

Es ist inzwischen ein Uhr nachts. Bloom bringt Stephen in einen Pub, wo sich die beiden Männer unterhalten. Bloom gibt Stephen viele gute Ratschläge und sorgt sich wie ein Vater um sein Wohlergehen. Sie unterhalten sich angeregt, reden aber auch oft aneinander vorbei. Schließlich lädt Bloom seinen Schützling zu sich nach Hause ein. Weil er den Schlüssel am Morgen vergessen hat, muss Bloom durch ein Fenster einsteigen. Bei einer Tasse Kakao setzen die beiden ihre Unterhaltung fort. Sie sind sich zwar sympathisch, dennoch schlägt Stephen das Angebot aus, bei Bloom zu übernachten. Nach seinem Fortgang strolcht Bloom durchs Haus. Mollys Rendezvous mit Boylan hat deutliche Zeichen zurückgelassen. Ermattet legt sich Bloom neben seine untreue Ehefrau und schläft ein. Molly hingegen spielt in Gedanken ihren Tag noch einmal durch, denkt an Boylan und auch an Bloom. Ihr langer Monolog endet mit der Erinnerung an Blooms Heiratsantrag und ihre Antwort darauf: "Ja ich will Ja."

Eine Revolution des Erzählens

James Joyce hat in seinem Ulysses einer neuen literarischen Erzähltechnik zum Durchbruch verholfen, die als "Stream of Consciousness" oder "Bewusstseinsstrom" bezeichnet wird. Anstelle einer objektiv-äußeren Erzählweise mit einem Erzähler, der die Ereignisse aus der dritten Person (allwissend oder limitiert) berichtend vorträgt, kommt hier der Protagonist selbst zum Zug. Allerdings nicht nach dem gängigen Schema eines Ich-Erzählers, sondern viel unmittelbarer, assoziativer, chaotischer: In der Geschwindigkeit und Unordnung, wie Gedanken durch das Gehirn jagen, wie Erinnerungen sich mit Sinnesreizen verknüpfen oder Gerüche und Melodien das Bewusstsein stimulieren, bringt der Autor die Wahrnehmungen und Gedanken seiner Figuren zu Papier, oftmals in unvollständiger Grammatik. Diese literarische Technik bildet die Gleichzeitigkeit von innerer und äußerer Welt ab.

James Joyce schuf diese literarische Innovation nicht aus dem Nichts heraus: Am Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse an den Vorgängen in der Psyche des Menschen. Mitverantwortlich waren hierfür die tiefenpsychologischen Forschungen des Wiener Psychologen Sigmund Freud. Der Psychologe William James gebrauchte den Begriff "Stream of Consciousness" als Erster in seiner Abhandlung Die Prinzipien der Psychologie (1890). Dabei bezog er sich auf den Roman Les lauriers sont coupés (1888) des Franzosen Édouard Dujardin, der die Erzähltechnik erstmals verwendete. Joyce hat die Technik also nicht erfunden, sondern auf eine perfektionierte und differenzierte Stufe emporgehoben. Der Erzählstil fand sich in der Folge auch bei anderen Autoren wie William Faulkner (The Sound and the Fury, 1929) oder Virginia Woolf (Mrs Dalloway, 1925).

Entstehung

Den Ulysses hat James Joyce zwischen 1914 und 1921 verfasst. Ursprünglich sollte die Geschichte von Leopold Bloom die 13. Episode seines Erzählbandes Dubliners werden. Joyce überlegte es sich jedoch anders und entwickelte daraus einen opulenten, bild- und sprachgewaltigen Roman, in dem der österreichische Schriftsteller Hermann Broch die Beschreibung des "Welt-Alltags der Epoche" verwirklicht sah. Joyce schrieb den Ulysses in seinem selbst gewählten Exil in Paris und Zürich. Dennoch ist seine Beschreibung von Dublin so präzise, dass, wie er sagte, die "Stadt nach meinen Beschreibungen wieder aufgebaut werden könnte, wenn sie zerstört würde".

Zunächst sollte das Buch in der amerikanischen Zeitschrift The Little Review vorabgedruckt werden. Allerdings wurde es der Zensur wegen der reichlich vorhandenen Vulgärsprache im Roman irgendwann zu bunt: Sie untersagte das weitere Erscheinen. Deshalb datiert die Erstauflage in Buchform erst auf den 2. Februar 1922. Erscheinungsort war Paris. Der Buchverlag "Shakespeare and Company" gehörte einer Amerikanerin, die mit der Herausgabe in Paris die strenge amerikanische und englische Zensur unterwanderte. 1927 kam die erste deutsche Ausgabe heraus, die noch unter der Mithilfe von Joyce selbst von Georg Goyert besorgt wurde. Allerdings war diese Übersetzung mit etlichen Fehlern behaftet. Erst die von Hans Wollschläger vorgenommene Neuübersetzung von 1981 wird dem Original gerecht. Sie gilt sogar als kongenial (ebenso genial wie das Original), da sie z. B. Joyce' Wanderung durch die englische Sprachentwicklung im Hospiz-Kapitel im Deutschen nachvollzieht.

Wirkungsgeschichte

James Joyce sagte einmal über den Ulysses: "Der Roman enthält so viele Rätsel, dass sich Professoren für Jahrhunderte darüber streiten werden, was ich damit gemeint habe. Das ist der einzige Weg, um sich die Unsterblichkeit zu sichern." In der Tat sind bis heute unzählige literaturwissenschaftliche Aufsätze und Bücher erschienen, die sich mit der enigmatischen (rätselhaften) Struktur des Buches auseinandersetzen. 1999 wurde das Buch zum "Roman des Jahrhunderts" gewählt. Wohlgemerkt von Literaturexperten, denn eine große Verbreitung hat der Roman nicht erfahren und als Bestseller kann er nicht wirklich bezeichnet werden. Das liegt vor allem an seinem immensen Schwierigkeitsgrad. 1997 erschien eine "bereinigte" Fassung des Ulysses, die erhebliche Änderungen am Originaltext aufwies. Sofort ging ein Aufschrei durch die Gemeinde der Joyce-Kenner. Joyce' Enkel Stephen James Joyce bezeichnete die Neuausgabe als "Unverschämtheit" und "schändliche Fehlinterpretation".

Ulysses wurde von Avantgarde-Schriftstellern und Dichtern wie Ezra Pound (1885-1972) und T. S. Eliot (1888-1965) bewundert. Andere, wie beispielsweise die englische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882-1941), kritisierten den stellenweise pornografischen Inhalt des Romans. Wegen des diffizilen Aufbaus, der geradezu enzyklopädischen Sprache und der stringenten Komposition der Handlungsfäden lässt sich Ulysses nur mit wenigen Romanen des 20. Jahrhunderts vergleichen. Dazu gehören allenfalls Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust (1871-1922) und Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil (1880-1942).

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Author: Kimberely Baumbach CPA

Last Updated: 11/05/2022

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